Die Honigbiene ist in unseren Breitengraden für ihr Überleben auf die Pflege durch den Imker angewiesen. Die Wildbiene bräuchte den Menschen für ihr Überleben nicht. Im Gegenteil, der Mensch nimmt den Wildbienen Lebensraum, indem er seine Gärten zu sauber hält, Exoten statt einheimische Pflanzen pflanzt und aufräumt, statt Altholz, Steinhaufen und Stängel liegen und stehen lässt. Wildbienen brauchen zum Teil beinahe ein Jahr, bis sie wieder schlüpfen. Räumt man in dieser Zeit die Stängel oder Hölzer weg, sind damit auch die Wildbienen weg. Das gilt für Steinmauern- haufen, Natursträsschen u.s.w. Deswegen sind die Wildbienen auf Nistgelegenheiten angewiesen. So kann es geschehen, dass Wildbienen an untypischen Orten nisten. z.B. in Metallschienen von Fenstern oder irgendwelchen Löchern von zwischengelagerten Möbelstücken (Bilder unten). Auch hier werden die Gelege zerstört, wenn wir die Gegenstande benützen.

Nisthilfen zur Verfügung stellen. Dafür braucht es gar nicht viel. Hat eine Wildbiene einen geeigneten Platz für ihre Brut gefunden, geht sie folgendermaßen vor:
Sie sammelt Pollen und Nektar von Blüten und macht daraus ein sogenanntes Pollenbrot. Sie knetet dieses in das gefundene Loch. Dann legt sie ein Ei darauf. Sie verschliesst die Zelle. Jetzt beginnt sie von neuem mit einem Pollenbrot. Aus den Eiern schlüpfen im nächsten Frühjahr Maden. Sie ernähren sich vom Pollenbrot, verpuppen sich und schlüpfen als fertige Wildbienen.
Wenn wir also z.B. Hartholzstücke mit Löchern versehen, Backsteine, Stängel von Holunder, Himbeeren, Bambus usw. zur Verfügung stellen, nehmen Wildbienen diese gerne an. Wir können alles gebrauchen, was hohl ist oder ein Mark besitzt.
Nicht jede Biene möchte jedoch die gleiche Nisthilfe haben, deswegen ist Vielfalt gefragt.
Daneben können wir wie schon erwähnt Steinhaufen und Naturwege belassen, Wildblumen nicht düngen, die Erde nicht umgraben, Schneckenhäuser und Gallen liegen und stehen lassen. Es können auch Behälter mit Ton gefüllt und nach dem Antrocknen Löcher hinein gebohrt werden. Alle Löcher sollten glatte Ränder haben, das Mark grübeln die Bienen selber heraus. Alle Löcher mit einem Durchmesser von 2-8mm sind gefragt, die Tiefe ist egal. Stängel, die mit einer Trennwand abgeschlossen sind wie z.B. Bambus können von den Bienen nicht durchtrennt werden. Darauf ist beim Bau zu achten. Grosse Löchern z.B. von einem Backstein können mit einem Stängel halbiert werden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wahre Kunstwerke können zu Gunsten der Wildbiene entstehen.
Nisthilfen sind so anzusiedeln, dass sie trocken sind und sicher hängen. Die Wetterseite ist zu meiden. Ein Dach ist von Vorteil, damit die Nistplätze geschützt sind. Schaukeln, Schläge von herabhängenden Ästen und zuviel Verkehr schätzen sie auch nicht. Zudem ist darauf zu achten, dass Nisthilfen nicht gerade am Boden zustehen kommen wegen der Bodenfeuchte. Zuviel Feuchtigkeit kann Schimmelbildung fördern und die Bienen gehen daran ein. Einmal platzierte Nisthilfen sollte man in Ruhe lassen. Da die Bienen im nächsten Jahr schlüpfen, nicht putzen. Zwischendurch evt. einmal einen neuen Stängel nachschieben, damit alles fest sitzt. Wird eine neue Nisthilfe gebraucht, sollen in der alten zuerst die Bienen geschlüpft sein.
Natürlich haben Wildbienen auch Feinde. Es gibt sogenannte Kuckucksbienen, die ihr Ei in ein gemachtes Bett geben, oder verschiedene Wespenarten, die ihre Nachkommenschaft auf Kosten der Wildbienen aufziehen lassen, indem sie ihr Ei von der Larve der Wildbienen leben lassen. Auch der Specht holt sich gerne seine Nahrung aus Wildbienennisthilfen. Diesem kann mit einem Gitter einfach abgeholfen werden. So können sich richtige Krimis abspielen bei einer Nisthilfe und das Beobachten einer solchen ist alles andere als langweilig.